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    Der Weg zur professionellen Stückliste - Teil 2

    Sven Ingelfinger
    |  June 11, 2019

     

    Kennen Sie das? Ihr Projekt ist fast abgeschlossen, doch dann wartet da noch das mühselige Thema der Produktionsdaten auf Sie. 

    Im finalen Stadium einer Platinen-Entwicklung werden die letzten Verbesserungen und Modifikationen umgesetzt. Das Feintuning des Routings ist in vollem Gange. Hier und da wird nochmals geschoben, getrickst und ausgebessert. Doch oft ist es auch eine Art Ablenkung, um sich vor dem eigentlichen Ausgabe-Prozess der Produktionsdaten zu drücken. Jedes mal wenn es ans Ende des Projektes geht, haben Sie schon vor Augen, dass man wieder händisch an den Fertigungsdaten die Korrekturen vornehmen muss und hierfür teilweise mehrere Tage ins Land gehen. Die Stückliste des PCB-Projekts spielt hier eine immens wichtige Rolle. Betrachtet man alle Fertigungsdaten, so stellt man fest, dass diese die wichtigsten Informationen bezüglich eines gesamten Projektes beinhalten. Neben den einzelnen Komponenten, welche für die Produktion der Leiterplatte benötigt werden, enthält diese weitere nützliche Angaben zu den mechanischen Bauteilen - unter anderem Bestückungsangaben sowie eine Aufstellung der Kostenkalkulation. Die Bill of Materials ist somit eine sehr aussagekräftige Informationsquelle für alle am Produktionsprozess beteiligten Abteilungen und Schnittstellen. Sie ist das zentrale Element zwischen Entwicklung, Einkauf und Fertigung.

    Im Altium Designer können sie die BOM mithilfe des Report Managers verwalten und ausgeben. Der Report Manager ermöglicht es Ihnen, die einzelnen Bauteil-Parameter, welche über ihre Komponenten in die Stückliste wandern, zu gruppieren und schlussendlich in der Stückliste anzuordnen. Neben der Zusammenfassung der einzelnen Bauteile besteht des Weiteren die Möglichkeit, die Bauteile die nicht bestückt werden sollen mit Hilfe der “Not fitted” Funktion entsprechend zu markieren. Es wird somit schnell ersichtlich, welche Bauteile auf die jeweilige Baugruppen-Variante bestückt werden und welche nicht. Mit dem Report Manager besteht außerdem die Möglichkeit, Template-Vorlagen für die Stückliste zu verwenden.

    Wenn es in Ihrem Projektalltag nur selten zu einer Produktionsdaten-Ausgabe kommt, so reicht es Ihnen vermutlich aus, mit dem Report Manager zu arbeiten. Im Idealfall haben Sie sich ein Template für die Ausgabe der Bill of Materials erstellt und können dieses über den Report Manager einbinden.

    Sobald Sie jedoch in der Situation sind, in der Sie mehrmals pro Jahr in den Genuss kommen fertigungsrelevante Daten auszugeben, macht es definitiv Sinn, an dieser Stelle mit einem Output-Job-File zu arbeiten. Das Output-Job-File ist im Prinzip eine Zusammenstellung von Ausgabe-Containern. In jedem Container kann man individuelle Einstellungen hinterlegen, wie beispielsweise das Template für eine Stückliste. Es wird somit Dauerhaft und in jedem Projekt in dem das Outputjob-File zum Einsatz kommt, ein gewisser Standard etabliert. Für Sie bedeutet es zunächst einen initialen Aufwand. Ist die Einrichtung jedoch einmal erfolgt, sparen Sie sich nachhaltig die händischen Anpassungen und Nacharbeiten.

    Im Outputjob-File gibt es die Möglichkeit den Report Manager zu öffnen, indem Sie dann die Einstellungen für Ihre BOM umsetzen können. Sie überlegen sich einmalig einen Standard bzw. eine Ausgabeanordnung welcher für Sie funktioniert und können es so in jedem Projekt wiederverwenden. Das BOM-Template ist ein wichtiges Puzzleteil für eine automatisierte Datenausgabe.

    Was muss ein BOM-Template alles enthalten?

    Eine übersichtlich dargestellte BOM setzt sich aus zwei Bereichen zusammen. Zum einen aus dem Dokumentenkopf und zum anderen aus dem Dokumenteninhalt. Im Dokumentenkopf befinden sich die Projektbezeichnung, die Bestückungsvariante, Angaben zum Entwickler sowie einen Ansprechpartner für technische Rückfragen. Sehr anschaulich wirkt in diesem Zusammenhang auch ein Firmenlogo oder das Logo des Kunden. Der Dokumenteninhalt wird anhand der Parameter der Bauteile ausgegeben. Hersteller, Herstellernummer, eine Beschreibung, alle kaufmännischen Informationen rund um die Distributoren und letztendlich eine Preiskalkulation sind elementare Bestandteile einer guten und übersichtlich gestalteten Stückliste.

    Doch wie erstelle ich nun ein BOM-Template, so dass meine Daten richtig ausgegeben werden?

    Das BOM-Template für den Altium Designer basiert auf einem Microsoft-Excel-File, welches als*.XLT-Datei abgespeichert werden muss. In dieser Datei kann der Dokumentenkopf dann entsprechend angepasst werden. Verwenden Sie hierzu die in der folgenden Übersicht auszugsweise dargestellten Parameter. Sie sind global im Altium Designer in jedem Projekt verwendbar:

    Die Übersicht aller verwendbaren Parameter finden Sie hier.

    Im Template schreiben Sie in die gewünschte Zelle den Begriff “Field” gefolgt von einem “=” und anschließend die gewünschte Feldbezeichnung. Sie hinterlegen in der Zelle quasi eine Variable und befüllen diese mit Hilfe der BOM-Ausgabe. Die “Field”- Bezeichnung ist hier für die Verwendung von einzelnen Zellen gedacht.

    Die einzelnen Spalten für den Dokumenteninhalt füllen sich durch die Parameter in der jeweiligen Spalte. Möchte man z.B. in einer Spalte die Stückzahl (Quantity) darstellen, so muss der Zellinhalt der entsprechenden Spalte mit der Bezeichnung “Column=Quantity” befüllt werden. Hier sorgt die “Column”-Bezeichnung dafür, dass dann die gesamte Spalte mit dem Inhalt befüllt wird. Diese Vorgehensweise wiederholt man nun für alle angedachten Parameter und befüllt sich somit den Dateninhalt für seine Stückliste. Einige wichtige Parameter sind bereits im ersten Teil der Blog-Artikel-Reihe gelistet. Außerdem können sie auch direkt an Ihren Bauteilen unter dem Reiter “Parameter” nachschauen, wie Ihre benötigten Parameter bezeichnet werden.

    Wenn Sie auf der Suche nach einem praxiserprobten BOM-Template sind, so können Sie sich hier ein Beispiel herunterladen und dieses für Ihre Anforderungen anpassen.

    Je nach Anwendungsfall ist es sicherlich sinnvoll, sich mehrere BOM-Templates zu erstellen und diese zur Verfügung zu stellen. Beispielsweise können Sie für Serien-Projekte andere Templates verwenden wie für kundenspezifische Projekte oder für interne Projekte. Es hängt schlussendlich auch immer damit zusammen, woher Ihre EInkäufer die Bauteile beziehen. Arbeiten Sie mit Distributoren zusammen oder gehen Sie direkt auf die Hersteller zu? Je nachdem müssen Sie Ihr BOM-Template auf die bei Ihnene existierende Situation anpassen.

    Die Verwaltung und Versionierung der verschiedenen Templates kann über ein Dokumenten-Management-System (DMS) erfolgen. Wenn Sie bereits Altium Vault oder Altium Nexus im Einsatz haben, können Sie die Verwaltung und Versionierung Ihrer BOM-Templates hierüber umsetzen. Es ergibt sich somit für Sie und Ihr(e) Design-Team(s) ein globaler Ablageort, von dem aus alle am entwicklungsprozess beteiligten Mitarbeiter auf ein standardisiertes Portfolio von Templates zugreifen können. Der Vorteil hierbei ist ganz klar -  alle sind auf dem selben Stand und Ihre Daten bekommen nach außen hin ein professionelles Bild.

    Hier geht's zu Teil 1 der Blog-Artikelreihe

    Hier geht's zu Teil 3 der Blog-Artikelreihe 

    About Author

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    Sven Ingelfinger arbeitet als Hardware Entwickler bei der Firma IDS - Imaging Development Systems GmbH, einem der Weltmarktführer im Bereich der Industriekamera-Technik.
    Neben der Schaltplan- und Layout Entwicklung, ist er schwerpunktmäßig für alle Themen rund um Altium Nexus zuständig.
    Über die letzten Jahre hat er neben zahlreichen Starr-Flex- und HDI-Projekten, auch die erfolgreiche Migration zum Altium Designer begleitet.
    Darauf aufbauend, wurde im Anschluss die Umstellung auf Altium Nexus durchgeführt.
    Gemäß dem Leitspruch „Praxiswissen von Anwender für Anwender“, arbeitet er außerdem als (Online)-Trainer, Coach und Consultant für Altium Designer, Altium Vault und Altium Nexus.
    Erfahren Sie mehr über Sven Ingelfinger auf: www.sveningelfinger.com

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