Die Auswirkungen von Lieferkettenstörungen auf die Herstellung von Verteidigungselektronik

Laura V. Garcia
|  Erstellt: April 23, 2026
At a Glance

Erfahren Sie, wie sich Lieferkettenschocks auf die Fertigung von Verteidigungselektronik auswirken. Sehen Sie, wie Führungskräfte das Single-Source-Risiko reduzieren und die Einsatzbereitschaft schützen.

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Die Auswirkungen von Lieferkettenstörungen auf die Herstellung von Verteidigungselektronik

Im Jahr 2024 stiegen die Unterbrechungen in den Lieferketten der Luft- und Raumfahrt- sowie Verteidigungsindustrie (A&D) im Jahresvergleich um 35 % – von 9.188 auf 12.356 Ereignisse. Die Lieferzeiten für verteidigungstaugliche Bauteile verlängerten sich von Wochen auf Monate, Zölle und Engpässe trieben die Kosten nach oben und die Gewinne nach unten, während komplexe, mehrstufige, globalisierte (und dennoch oft auf einzelne Bezugsquellen gestützte) Lieferketten, die auf Kostenoptimierung ausgelegt waren, sich als unfähig erwiesen, diese Probleme abzumildern und darauf zu reagieren. Die Folge waren großflächige Verzögerungen, sinkende Gewinnmargen, beeinträchtigte Einsatzbereitschaft und erhöhte Projektrisiken. Ein Bericht des Defense Business Board 2025 stellte fest, dass globale Halbleiterengpässe die Produktion moderner Waffensysteme verlangsamt haben und die Abhängigkeit der USA von ausländischen Mikrochip-Lieferanten verdeutlichen – eine Schwachstelle, die mit steigender Verteidigungsnachfrage zu einem strategischen Nachteil werden wird.

KPMG hat festgestellt, dass der globale A&D-Sektor vor einem rasanten Wachstum steht: Airbus und Boeing prognostizieren, dass in den nächsten 20 Jahren mehr als 40.000 neue Verkehrsflugzeuge gebaut werden, und die weltweiten Verteidigungsausgaben stiegen 2024 um nahezu 10 Prozent – die höchste Wachstumsrate seit fast vier Jahrzehnten. Einsatzbereitschaft, Missionsverfügbarkeit und Anforderungen an vertrauenswürdige Lieferanten machen die Verteidigungselektronik besonders anfällig für Schocks in der Lieferkette, die diese Entwicklung behindern könnten. In diesem Artikel beleuchten wir die Herausforderungen, ordnen die Auswirkungen ein und geben praxisnahe Einblicke sowie umsetzbare Empfehlungen für Führungskräfte, die sich inmitten des Chaos einen echten Wettbewerbsvorteil verschaffen wollen.

Die neue Realität heißt Volatilität in der Komponentenversorgung

Die neue Ausgangslage für Verteidigungselektronik ist systemische Turbulenz. Sie zeigt sich in verlängerten Lieferzeiten, fehlenden Beständen genau dann, wenn sie benötigt werden, und Kostensprüngen bei essenziellen Komponenten. Das bedeutet, dass Führungskräfte langfristig planen müssen.

Bei geringen Stückzahlen können Verteidigungshersteller weiterhin bei autorisierten Distributoren beschaffen, sofern verfügbar, einschließlich MIL-PRF-zertifizierter Komponenten. Bei höheren Stückzahlen gab es bei den Lieferzeiten für verteidigungstaugliche Bauteile hingegen nur geringfügige Entlastung. Bestimmte Hochleistungskomponenten, die in größeren Mengen benötigt werden, etwa Prozessoren oder HBM, können Lieferzeiten von mehreren Monaten haben. Hinzu kommt, dass einige hochzuverlässige passive Bauelemente wie MIL-PRF-Widerstände und -Kondensatoren bei autorisierten Distributoren trotz erwarteter Nachfragesteigerung weiterhin mit null Lagerbestand geführt werden.

Ein Teil der Herausforderung liegt in der Beschaffung von MIL-PRF- oder weltraumtauglichen Standardbauteilen, für die schlicht nicht genügend inländische Kapazitäten vorhanden sind, um neue Beschaffungsverpflichtungen der USA und der NATO zu erfüllen. In Designs, in denen Nicht-MIL-PRF-Teile zulässig sind, entsteht geopolitisches Risiko dadurch, dass 80 % der weltweiten Halbleiter in Asien gefertigt werden, wodurch Störungen in dieser Region ein erhebliches Risiko darstellen. Zudem ist die Nachfrage nach diesen Teilen aufgrund der Konkurrenz mit kommerziellen Vorhaben wie dem Ausbau von Rechenzentren deutlich gestiegen, was darauf hindeutet, dass die A&D-Lieferkette weiterhin unter erheblichem Druck stehen wird.

Zentrale Erkenntnis 1: Von reaktiver Beschaffung zu vorausschauender Allokation wechseln

Führende Defense-OEMs und ODMs müssen diese Turbulenzen antizipieren und entsprechend planen, indem sie:

  • Hürden für Multi-Sourcing beseitigen
  • frühzeitige Beschaffungen durchführen, um Kontingente zu sichern
  • Allokationszusagen direkt von Komponentenherstellern sichern

Dieser Wandel erfordert die kontinuierliche Überwachung von Lieferzeit- und Kostentrends, um strategische Lagerkäufe umzusetzen und dabei finanzielle sowie operative Risiken auszubalancieren.





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Single-Source-Risiken beseitigen

Elektronik und Unterbaugruppen aus nur einer Bezugsquelle erhöhen das Störungsrisiko in der Verteidigung erheblich.

Die Ursache dieser Verwundbarkeit liegt in der Konsolidierung der Branche: In den letzten drei Jahrzehnten ist die Zahl qualifizierter Lieferanten in wichtigen Kategorien von Waffensystemen deutlich zurückgegangen. Das Department of War weist darauf hin, dass die Zahl der Lieferanten für taktische Raketen von 13 auf drei gesunken ist, die der Lieferanten für Starrflügelflugzeuge von acht auf drei, und dass heute 90 % der Raketen aus nur drei Quellen stammen. Dieses eingeschränkte Umfeld führt zwangsläufig zu noch mehr Single-Sourcing bei spezialisierter Verteidigungselektronik.

Bei kritischen Komponenten – etwa PCB-Fertigern, FPGA-Anbietern und spezialisierten Analog-/Mixed-Signal-Lieferanten, die für bestimmte militärische oder weltraumtaugliche Teile die einzige verfügbare Option sind – hat diese Konzentration schwerwiegende Auswirkungen auf das Lebenszyklusrisiko. Hohe Qualifizierungshürden (einschließlich ITAR, MIL-PRF und Maßnahmen zur Vermeidung von Fälschungen) machen ein schnelles Multi-Sourcing langsam und prohibitv teuer. Genau dieses langsame Tempo verwandelt eine einfache Designbeschränkung in ein langfristiges Risiko.

Zentrale Erkenntnis 2: Design-for-Multi-Sourcing verbindlich vorschreiben

Designteams sind heute verpflichtet, Abhängigkeiten von einzelnen Bezugsquellen durch ein formales Design-for-Multi-Sourcing-Mandat zu vermeiden. Dieser Ansatz steht im Einklang mit dem Modular Open Systems Approach (MOSA) und der Sensor Open Systems Architecture (SOSA) des DoD, die offene Standards und modulare Architekturen betonen, durch die Komponenten mehrerer qualifizierter Anbieter genutzt werden können. Ein proaktives Mandat reduziert Redesign-Zyklen infolge unerwarteter End-of-Life-(EOL)-Abkündigungen von Komponenten und vermeidet so einmalige Engineering-Kosten (NRE).

Können wir Geopolitik, Sicherheit und Compliance in Einklang bringen?

Während der Biden-Regierung kam die Quadrennial Supply Chain Review zu dem Schluss, dass politische Maßnahmen genutzt werden müssen, um Verteidigungslieferketten neu zu gestalten. Die Handelsstrategie der US-Regierung betont die inländische Produktion, indem Zölle und Anreize genutzt werden, um Mikroelektronik, Substrate und kritische Materialien nach Nordamerika zurückzuholen. Zudem wird diskutiert, verbündete Kapazitäten für diese Vorprodukte aufzubauen und die Abhängigkeit von Engpässen zu verringern, die von ausländischen Gegnern kontrolliert werden.

Gleichzeitig verschärft sich die Bedrohungslage rund um Cyberinfiltration. Die digitale Lieferkette ist inzwischen ein primärer Vektor für Spionage und IP-Diebstahl, da Gegner Tier-2- und Tier-3-Lieferanten ausnutzen, um bösartige Funktionen einzuschleusen oder Zugriff auf Controlled Unclassified Information (CUI) zu erlangen. Als Reaktion darauf führt das DoW das Framework Cybersecurity Maturity Model Certification (CMMC) 2.0 ein – eine verpflichtende Weitergabeanforderung entlang der Lieferkette, die jeden Lieferanten dazu zwingt, definierte Cybersicherheitsstandards zu erfüllen.

Gemeinsam bewegen diese Druckfaktoren den Sektor weg von kostenorientierten Modellen, die nicht mehr zum heutigen Risikoprofil passen. Wie der Bericht Deloitte 2026 Aerospace and Defense Industry Outlook hervorhebt, hat die langjährige Bevorzugung kostengünstiger Offshore-Lieferanten dazu geführt, dass Verteidigungsprogramme von fragilen globalen Liefernetzwerken abhängig wurden, die eher für Friedenszeiten als für umkämpfte Umgebungen ausgelegt sind. Dieses Denken wandelt sich: Investitionen in Lieferkettenresilienz und Sicherheit werden heute nicht mehr als Gemeinkosten betrachtet, sondern als missionskritische Absicherung zum Schutz der Einsatzbereitschaft und zur Wahrung technologischer Vorteile.

Zentrale Erkenntnis 3: Geopolitisches Risiko in Compliance und Lieferantenprüfung verankern

Führungskräfte müssen über periodische Lieferantenaudits hinausgehen und geopolitische Exponierung als zentrale Compliance-Funktion behandeln. Das bedeutet kontinuierliche Rückverfolgbarkeit, eine tiefere Prüfung nachgelagerter Lieferstufen und die Verifizierung des Cybersicherheits-Reifegrads (einschließlich CMMC-Verpflichtungen). Gleichzeitig sollten Beschaffungsstrategien an staatliche Friendshoring-Anreize angepasst werden, die inländische Kapazitäten für PCBs, Substrate und fortschrittliches Packaging unterstützen. Die Nutzung dieser Programme stärkt die Versorgungssicherheit und schafft zugleich Chancen für langfristige Kapitalinvestitionen und Wachstum.





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Von Resilienz als Kostenfaktor zu Resilienz als Vorteil

Der nächste Schock in der Lieferkette ist keine Frage des Ob, sondern des Wann. Was führende Unternehmen der Verteidigungselektronik unterscheiden wird, ist nicht die Fähigkeit, nach Eintritt einer Störung am schnellsten zu reagieren, sondern die Disziplin, Resilienz bereits vor dem Eintreten des Schocks in Systeme, Lieferanten und Entscheidungen einzubauen.

In einer Ära, die von geopolitischer Fragmentierung, begrenzten Kapazitäten und steigenden Compliance-Anforderungen geprägt ist, sind Lieferketten keine Backoffice-Funktion mehr, sondern eine strategische Fähigkeit, die unmittelbar über die Überlebensfähigkeit von Programmen, die Integrität von Zeitplänen und die Einsatzbereitschaft entscheidet. Organisationen, die Beschaffung weiterhin als Übung zur Kostenoptimierung behandeln, werden die volle Wucht künftiger Volatilität zu spüren bekommen. Jene hingegen, die sie als Kernelement der nationalen Sicherheitsstrategie verstehen, werden Entwicklungen gestalten, statt hektisch auf ihre Folgen zu reagieren.

Die Führungskräfte, die gestärkt daraus hervorgehen, werden diejenigen sein, die:

  • Versorgungsrisiken im Design verankern, nicht nur in der Beschaffung
  • Allokation und Lieferantenzugang als strategische Vermögenswerte behandeln
  • frühzeitig in vertrauenswürdige Ökosysteme investieren, die mit nationalen und verbündeten Prioritäten im Einklang stehen

Die Fertigung von Verteidigungselektronik tritt in eine Phase ein, in der Resilienz, Transparenz und Anpassungsfähigkeit die Wettbewerbsfähigkeit bestimmen. Wer jetzt handelt – bevor die nächste Störung das System auf die Probe stellt – kann Unsicherheit in der Lieferkette in einen dauerhaften strategischen Vorteil verwandeln.

In der Verteidigungsfertigung ist Einsatzbereitschaft alles. Und diese Einsatzbereitschaft beginnt lange, bevor ein System in die Produktion geht. Erfahren Sie mehr über Altium Lösungen für Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung →

Über den Autor / über die Autorin

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Laura V. Garcia is a freelance supply chain and procurement writer and a one-time Editor-in-Chief of Procurement magazine.A former Procurement Manager with over 20 years of industry experience, Laura understands well the realities, nuances and complexities behind meeting the five R’s of procurement and likes to focus on the "how," writing about risk and resilience and leveraging developing technologies and digital solutions to deliver value.When she’s not writing, Laura enjoys facilitating solutions-based, forward-thinking discussions that help highlight some of the good going on in procurement because the world needs stronger, more responsible supply chains.

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