Wenn das Produktgehäuse zur Leiterplatte wird, ändern sich die Designregeln grundlegend. Strukturelektronik, basierend auf Technologien wie 3D-MID (dreidimensionale spritzgegossene Schaltungsträger), integriert leitfähige Leiterbahnen direkt auf spritzgegossenen Kunststoffgehäusen und hebt damit die Trennung zwischen der elektrischen und der mechanischen Welt auf.
Genau diese Integration ist der entscheidende Punkt. Sie ermöglicht kleinere Bauformen, ein besseres Wärmemanagement und integrierte EMI-Abschirmung. Sie bedeutet aber auch, dass bereits eine einzige Änderung an der mechanischen Geometrie eine elektrische Leiterbahn zerstören kann. Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Elektro- und Maschinenbauingenieure bei innovativen Designs zusammenarbeiten müssen – mit gemeinsam genutzten Live-Daten über den gesamten Prozess hinweg.
Der Wechsel zur Strukturelektronik hebt traditionelle Designgrenzen auf. Durch den Einsatz geeigneter 3D-CAD-Software und die Auslegung für einen 3D-Depositionsprozess können Ingenieure die Einschränkungen flacher, starrer Leiterplatten hinter sich lassen und leitfähige Leiterbahnen entlang beliebiger 3D-geformter Kunststoffoberflächen führen.
Strukturelektronik ermöglicht einzigartige Lösungen für technische Probleme in den Bereichen Wärmemanagement, Highspeed- und HF-Design sowie sogar bei elektromagnetischen Interferenzen (EMI). Da das Substrat selbst zu einem vollständig integrierten Bestandteil des Designs wird, entsteht ein anderer Satz an Zielkonflikten, da Standard-PCB-Materialien nicht mehr verwendet werden.
In einem flachen PCB-Design ist der Wechsel zu einem etwas höheren Ersatzchip einfach: Er belegt lediglich leeren Raum im Gehäuseinneren. In structural electronicskann die Z-Achse jedoch eingeschränkt sein und damit den Bereich der verfügbaren Komponenten- oder Gehäuseoptionen begrenzen. Ein strukturelles Substrat kann durch ein anderes Gehäuse oder mechanisches Element eingeschränkt sein, oder Komponentenkavitäten können die Höhe montierter Bauteile begrenzen.
Strukturelle Fertigungsprozesse wie In-Mold Electronics (IME) setzen Bauteile intensiver Hitze und enormem Druck aus, wenn geschmolzener Kunststoff die Formkavität flutet. Gleichzeitig wird auch Laser Direct Structuring (LDS) für die Fertigung von Strukturelektronik verwendet, wodurch die Substratmaterialien ebenfalls kurzzeitig hohen Temperaturen ausgesetzt werden. Auch dies ist ein Aspekt der Materialauswahl, der die Zuverlässigkeit des fertigen strukturellen Designs bestimmt.
Die Geometrie von Komponenten bestimmt, wie gut sie den Fertigungskräften standhält. Komponenten mit empfindlichen, hervorstehenden Metallanschlüssen sind besonders anfällig, da schnell fließender Kunststoff sie beim Spritzgießen verbiegen oder abreißen kann. Echte Flexibilität setzt voraus, dass anschlusslose, extrem flache Gehäuse (wie QFNs oder BGAs) verwendet werden, die bündig auf dem Substrat sitzen und so Oberfläche und mechanisches Risiko minimieren.
Die Theorie hinter Strukturelektronik zu verstehen, ist nur der erste Schritt; die eigentliche Herausforderung liegt in der Umsetzung. Um diese dreidimensionalen Herausforderungen zu bewältigen, müssen alle Beteiligten in einer gemeinsamen Umgebung mit vollständiger 3D-Transparenz arbeiten.
Altium Agile Teams schließt diese Lücke, indem es ein einheitliches Ökosystem bereitstellt, in dem EEs und MEs ihre Layouts nativ mit bereichsübergreifenden Echtzeit-Einblicken abgleichen können. Anstatt sich auf starre Checklisten und statische Dateihandoffs zu verlassen, können Teams mit aktuellen Live-Designdaten zusammenarbeiten, bei denen jede mechanische Änderung und jede elektrische Leiterbahnänderung sofort nachverfolgt wird.
Die Umsetzung von Strukturelektronik erfordert mehr als nur gutes ingenieurtechnisches Urteilsvermögen; sie verlangt, dass beide Teams dasselbe Design zur selben Zeit sehen und Änderungen in allen Bereichen nachverfolgt werden. Altium Agile Teams ermöglicht dies durch fortschrittliches ECAD-MCAD-Co-Design: Live-Synchronisierung zwischen elektrischen und mechanischen Umgebungen, Komponentenplatzierung von der mechanischen Seite aus sowie einen Compare-and-Approve-Workflow, der beide Disziplinen vom ersten Konzept bis zur finalen Freigabe aufeinander abstimmt.
Erfahren Sie mehr über Altium Agile Teams →
Strukturelektronik integriert leitfähige Leiterbahnen und Komponenten direkt auf eine geformte mechanische Struktur, beispielsweise ein Produktgehäuse. Anders als bei einer herkömmlichen PCB fungiert das mechanische Substrat gleichzeitig als Schaltungsträger, sodass elektrische und mechanische Funktionen denselben dreidimensionalen Raum einnehmen können.
3D-MIDs nutzen Fertigungsprozesse wie Laser Direct Structuring oder die Abscheidung leitfähiger Materialien, um Leiterbahnen auf geformten Kunststoffoberflächen zu erzeugen. Anschließend können Komponenten direkt auf der Struktur montiert werden, sodass eine einzelne Baugruppe entsteht, die Gehäuse, Verbindungen und elektronische Hardware kombiniert.
Strukturelektronik kann leitfähige Abschirmschichten direkt in ein geformtes Gehäuse integrieren. Eine durchgängige, einteilige Struktur reduziert Nähte und Verbindungsstellen, über die elektromagnetische Leckage typischerweise entsteht, wobei die Abschirmschicht jedoch vor Kratzern, Rissbildung und mechanischer Belastung geschützt bleiben muss.